Eisacktal: Erste Beteiligungsphase zu neuer Strominfrastruktur beendet

Die Stromversorgung im Eisacktal wird grundlegend erneuert. Das Großprojekt wird von einem umfassenden Beteiligungsprozess begleitet, dessen erste Phase heute abgeschlossen wurde.

Im Eisacktal werden nach Umsetzung des neuen Infrastrukturprojekts von sechs überirdischen Leitungen nur mehr zwei übrig bleiben. (Foto: Unsplash)

Die Trassenführung für die neue, moderne und leistungsfähige Elektroinfrastruktur durch das Eisacktal liegt im Wesentlichen fest. Das betonten heute (22. Mai) bei einer Videokonferenz mit den Bürgermeistern der Gemeinden des Eisacktales Landeshauptmann Arno Kompatscher und Energie-Landesrat Giuliano Vettorato. Gemeinsam mit den Führungskräften von Terna stellten sie die Ergebnisse des breiten Beteiligungsprozesses vor, der das Großprojekt begleitet und dessen erste Phase nun abgeschlossen ist.

"Großprojekt von historischer Bedeutung"

Von einem wichtigen Zwischenergebnis sprach heute Landeshauptmann Kompatscher: "Nun haben wir ein grundsätzliches Einvernehmen über die Trassenführung. Es ist dies zwar noch keine detailgenaue Linienführung, aber doch eine relativ gute Verortung." Somit sei man auf dem Wege zur Umsetzung einen wesentlichen Schritt weiter. "Diesem Projekt kann - nicht nur wegen seines Investitionsvolumens, sondern auch wegen seiner positiven Auswirkungen auf Umwelt und Landschaft, auf die Sicherheit der Energieversorgung und die Lebensqualität der Bürger in den betroffenen Gebieten - historische Bedeutung beigemessen werden", sagte der Landeshauptmann wörtlich. Man sei sich bewusst, dass bestimmte Situationen Kompromisse erforderten. Doch zeigte sich der Landeshauptmann zuversichtlich, dass die nächsten Phase Optimierung ermögliche.

Verschiebungen noch möglich

Und auch der italienische Landeshauptmann-Stellvertreter und Energielandesrat Vettorato pflichtete bei: "Eine wichtige Grundlage ist geschaffen: die grundsätzliche Verständigung über den Trassenverlauf. Wir wissen noch nicht im Detail, wo die Ständer stehen werden, auch Verschiebungen von bis 50 Meter kann es schon noch geben, aber wir können die Planungen nun fortsetzen."

Kompatscher und Vettorato betonen gegenüber den Bürgermeistern, dass nicht alle Problemstellungen bezüglich Trassenverlauf  im Gemeindegebiet von Barbian und im Abschnitt Ritten-Bozen gelöst werden konnten. Allerdings wurde bei dem heutigen Gespräch der Ansatz für eine Kompromisslösung gefunden, die nun im Zuge der nächsten Schritte im Detail definiert werden soll.

Umweltaspekte werden noch im Detail geprüft

Die in dieser ersten Phase definierten Korridore werden nun der strategischen Umweltprüfung unterzogen. Im Zuge dieses Verfahrens können Bevölkerung und Gemeinden Stellung beziehen. In diesem Prüfungsverfahren werden die Korridore nochmals im Detail auf bisher eventuell nicht beachtete Konflikte mit der Umwelt unter die Lupe genommen. Besonders in jenen Abschnitten, bei denen es noch offene Fragen gibt, können in diesem Verfahren nochmals sämtliche Argumente fachlich geprüft werden. Sofern beispielsweise verschiedene Varianten vorliegen, werden Umweltauswirkungen möglichst transparent und umfassend gegenübergestellt und verglichen. Dies gilt unter anderem für die erwähnten Abschnitte in den Gebieten der Gemeinden Ritten und Bozen. Ziel ist es, wie heute von allen Seiten betont wurde, den am wenigsten belastenden Korridor zu finden.

Partizipationsverfahren für Terna Zukunftsmodell

Die gute Zusammenarbeit bei den Planungsarbeiten zu diesem Pilotprojekt unterstrich heute Terna-Führungskraft Adel Motawi. Zum ersten Mal gehe Terna bei der Projektumsetzung den Weg der Partizipation. Auf dieses Modell wolle das Unternehmen künftig bei seinen großen Projekten in Europa setzen. Die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses wird der Betreiber der Hochspannungsnetze in Italien, Terna, in den kommenden Wochen in den Medien und im Internet vorstellen. Leider sind derzeit die ursprünglich geplanten öffentlichen Vorstellungen der Ergebnisse in den einzelnen Gemeinden wegen der Corona-Ausnahmesituation nicht möglich. Die bereits geplanten Präsentationen mussten abgesagt werden.

Vier Hochspannungsleitungen werden abgebaut

Die neue Elektroinfrastruktur im Eisacktal soll eine bessere und sicherere Stromversorgung für das Eisacktal und den Osten Südtirols, bessere Umweltbedingungen und genügend Strom für den Betrieb des Brennerbasistunnels bringen. Die Grundlage für das Großprojekt wurde vor knapp zwei Jahren gelegt. Landeshauptmann Kompatscher, die Geschäftsführer des staatlichen Hochspannungsnetzbetreibers Terna, Luigi Ferraris, und des Schieneninfrastrukturbetreibers Rete Ferroviaria Italiana (RFI), Maurizio Gentile, unterzeichneten im Juni 2018 das entsprechende Abkommen. Vorgesehen ist, dass vier der derzeit sechs Hochspannungsleitungen abgetragen werden. Über 250 Millionen Euro will Terna in die Erneuerung der Strominfrastruktur im Eisacktal investieren.

LPA/jw

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