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Betreuungspersonal: Kontingent zu klein, neue Modelle notwendig
(LPA) Über 200 Südtiroler Familien und Einzelhaushalte haben heuer beim Arbeitsservice des Landes eine Arbeitsgenehmigung für Haushalts- und Betreuungspersonal aus Nicht-EU-Ländern bzw. aus den neuen EU-Staaten beantragt. Nur 80 davon konnten ausgestellt werden. Mehr hat das vom Staat zugeteilte Kontingent nicht zugelassen. Um dem offensichtlichen Mangel an Betreuungspersonal entgegen zu treten, macht man sich im Ressort von Landesrätin Luisa Gnecchi Gedanken über neue Modelle und Lösungsansätze.
Bereits seit mehreren Jahren wird in der zuständigen Landesabteilung Arbeit ein kontinuierlicher Anstieg der Nachfrage nach Mitarbeiterinnen im Haushaltsbereich und in der Hausbetreuung verzeichnet. Da heimische Arbeitskräfte dazu nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, wird verstärkt auf ausländische Mitarbeiterinnen zurückgegriffen, die meist aus Nicht-EU-Ländern stammen. Das Problem dabei: Das jährlich von der italienischen Regierung zugewiesene Kontingent an Arbeitsplätzen für ausländische Haushaltshilfen trägt dem steigenden Bedarf nicht ausreichend Rechnung und fällt Jahr für Jahr viel zu niedrig aus.Von den heuer über 200 eingereichten Ansuchen um eine Arbeitsgenehmigung in diesem Bereich konnte der Arbeitsservice des Landes nur 80 erteilen. Und auch dies nur dank eines zusätzlichen Kontingents für Arbeitnehmerinnen aus den neuen EU-Mitgliedstaaten. Alle übrigen Anträge mussten abgelehnt werden.
Um diesem Problem entgegentreten zu können, bedarf es innovativer Lösungsansätze und Modelle, über die sich derzeit Arbeits-Landesrätin Luisa Gnecchi und deren Mitarbeiter den Kopf zerbrechen. Angedacht wurde beispielsweise eine Anpassung des in der Kinderbetreuung so erfolgreichen Modells der Tagesmütter an den Bereich pflegebedürftiger Erwachsener. Klar ist, dass alle möglichen Modelle einerseits die öffentliche Hand entlasten sollen, andererseits aber eine professionelle und kontinuierliche Betreuung zu Hause garantieren müssen.
Kopfzerbrechen bereitet der Landesrätin auch eine gewisse Abwanderungstendenz von Beschäftigten in der Hausbetreuung in andere Bereiche. Diese sei nicht verwunderlich, so Gnecchi, halte man sich die seelische und körperliche Belastung der Betreuerinnen, meist ausländischer Frauen, vor Augen, die die Pflegebedürftigen oft ohne die nötige Ausbildung und zudem rund um die Uhr betreuten. Andere Erwerbszweige böten im Gegensatz dazu neben geregelten Arbeitszeiten auch eine bessere Entlohnung.
Unterstrichen werden diese Überlegungen der Landesrätin von den vom Arbeitsservice ermittelten Daten: Knapp 40 Prozent der rund 850 ausländischen Haushaltshilfen, deren Arbeitsverhältnis in Südtirol im Zuge der gesamtstaatlichen Sanierungsaktion im Jahr 2002 legalisiert worden war, haben bereits innerhalb des darauf folgenden Jahres entweder in einen anderen Wirtschaftszweig gewechselt oder scheinen nicht mehr in Südtirol zu arbeiten.
chr