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Tagung als Ausgangspunkt für wirksamere und gerechtere Prävention

Veranstaltung in Trient beschäftigt sich mit dem Arbeitsschutz aus geschlechterspezifischer Sicht - Amhof: "Unterschiede berücksichtigen, um alle gleichermaßen zu schützen"

BOZEN/TRIENT (LPA). Arbeitsschutz ist nicht gleich Arbeitsschutz, zumindest wenn die Maßnahmen auf die Geschlechter bezogen betrachtet werden: Diesem wichtigen, aber zu wenig beachteten Thema hat sich am 29. Jänner eine Tagung in Trient gewidmet, die vom Land Südtirol, von der Provinz Trient und von der TSM (Trentino School of Management) organisiert wurde. 

"Das Thema liegt mir besonders am Herzen, nicht nur in meiner Funktion als Landesrätin, sondern auch als Frau.  Denn wenn wir über Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sprechen, sprechen wir über das konkrete Leben der Menschen. Über Körper, Erfahrungen, Belastungen, Verletzlichkeiten und auch über Unterschiede, die lange Zeit wenig sichtbar waren", führte Magdalena Amhof, die Landesrätin für Arbeit, in das Thema ein. Prävention sei sehr lange als etwas Neutrales betrachtet worden. Heute sei klar: "Das ist sie nicht und Unterschiede nicht zu berücksichtigen bedeutet letztlich, nicht alle gleichermaßen zu schützen."

Der Trentiner Landesrat für Arbeit, Achille Spinelli, hob die Notwendigkeit hervor, sich gemeinsam dafür einzusetzen, ein Unfallpräventionssystem aufzubauen, das noch moderner und gerechter sei. "Über Sicherheit aus Gender-Perspektive zu sprechen, bedeutet anzuerkennen, dass Männer und Frauen Arbeit nicht auf gleiche Weise erleben", betonte Spinelli. Die Unterschiede in der Risikobewertung und bei den Schutzmaßnahmen wahrzunehmen, bedeute, Verantwortung zu übernehmen.

Im Rahmen des Seminars wurden rechtliche Aspekte, die Perspektive der Aufsichtsorgane auf das Thema Arbeitssicherheit sowie die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Risikobewertung und bei den Präventionsmaßnahmen betrachtet. 

Die Direktorin des Arbeitsinspektorats des Landes Südtirol, Petra Piffer, bringt es auf den Punkt: "Auch bei den Präventionsmaßnahmen gibt es, wie im medizinischen Bereich, ein Referenzmodell. Dieses ist typischerweise männlich und deckt die weibliche Seite nur unvollständig. Somit kann auch die derzeit angewandte Prävention nicht vollständig sein." Das Gesetz sehe eine Spezifizierung bereits länger vor, diese müsse nun auch zur Anwendung kommen und biologische sowie Gender-Aspekte berücksichtigen.

"Ich bin überzeugt, dass dieser Ansatz eine wichtige Debatte für die Zukunft über neue Instrumente, neue Organisationsmodelle, neue Ausbildungswege und auch über die Weiterentwicklung unserer öffentlichen Politiken  eröffnen kann", zeigte sich Amhof nach der Tagung überzeugt. Die Sichtweise auf Risiken, Prävention, Arbeitsmedizin und Aufsicht sei grundlegend zu erweitern. Die Tagung dürfe kein einzelnes Ereignis bleiben, sondern Ausgangspunkt für eine Prävention sein, in der die Geschlechterperspektive dauerhaft verankert werde und die somit wirksamer und gerechter sei.

LPA/pir