Aktuelles
Bewusstsein für Geschichte früh stärken
Bildungsressort plant Aktualisierung des Lehr- und Lernmaterials sowie Maßnahmen, gemeinsam mit der Jugendarbeit, zur Förderung der Erinnerungskultur
BOZEN (LPA). Erinnerungskultur und historisches Bewusstsein sollen künftig noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Das Bildungsressort bereitet dafür eine umfassende Aktualisierung der Lehr- und Lernmaterialien zur Geschichte Südtirols vor und entwickelt mit der Jugendarbeit neue Wege, um Jugendlichen einen zeitgemäßen Zugang zur Vergangenheit zu ermöglichen. Die Landesregierung hat sich am 27. Februar auf Initiative von Landesrat Philipp Achammer mit diesen Schwerpunkten befasst.
Zentrales Anliegen ist die Modernisierung der schulischen Materialien. Sie sollen wissenschaftlich aktualisiert und didaktisch weiterentwickelt werden, um jungen Menschen ein fundiertes Verständnis der historischen Entwicklungen des Landes zu vermitteln. Die Überarbeitung ist für das kommende Jahr vorgesehen. Landesrat Achammer betont, dass historisches Lernen heute eine wesentliche Grundlage dafür sei, gesellschaftliche Veränderungen einzuordnen, demokratische Werte zu verankern und eine offene Debattenkultur zu fördern.
Parallel dazu sollen Erinnerungsarbeit und historisches Lernen außerhalb des Schulkontextes gestärkt werden. Gemeinsam mit dem Netzwerk der Jugendarbeit entwickelt das Ressort ein Schwerpunktprojekt, das noch in diesem Jahr starten soll. Es soll neue Zugänge zur Zeitgeschichte ermöglichen, die kritische Auseinandersetzung mit historischen Themen erleichtern und Räume schaffen, in denen Jugendliche eigene Fragen und Sichtweisen einbringen können. Ziel ist es, Geschichte nicht nur zu vermitteln, sondern erlebbar zu machen und als Grundlage demokratischer Bildung weiterzuentwickeln.
Ein weiterer Schwerpunkt galt der Prävention von Extremismus und Radikalisierung. Das Amt für Jugendarbeit hat hierzu in Zusammenarbeit mit Eurac Research eine neue, zwölfmonatige Studie in Auftrag gegeben. Die letzte vergleichbare Untersuchung stammt aus dem Jahr 2010 – seither haben sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen, digitale Kommunikationswege und extremistische Erscheinungsformen stark verändert. Die neue Studie soll aktuelle Wahrnehmungen aus Schulen, Jugendarbeit und Sozialdiensten erfassen, unterschiedliche Formen des Extremismus untersuchen und digitale Radikalisierungsprozesse analysieren. Auch Jugendliche selbst werden über die YouthApp sowie über die ASTAT-Jugendstudie eingebunden.
"Ein reflektierter Umgang mit der eigenen Vergangenheit ist eine zentrale Voraussetzung, um Radikalisierung frühzeitig entgegenzuwirken. Historisches Bewusstsein kann helfen, gesellschaftliche Spannungen abzubauen und Jugendlichen Orientierung in einem zunehmend komplexen Umfeld zu geben", betont Landesrat Achammer. Die geplanten Maßnahmen im Bereich der Jugendarbeit sollen daher nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch dazu beitragen, demokratische Haltungen zu stärken und extremistischen Tendenzen wirksam vorzubeugen.
LPA/ck


